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Das Evangelische Krankenhaus

Das Evangelische Krankenhaus Johannisstift wird schlicht EVK genannt. Es liegt im Nordosten im Kreuzviertel und ist weit über Hundert Jahre alt.

Münster war im 19. Jh. mit ungefähr 23.000 Einwohner eine überschaubare Stadt, wuchs aber zunehmend. Seit dem Jahr 1732 wurden Kranke im damals städtischen Clemenshospital behandelt. Dieses lag mitten in der Stadt um die noch bestehende Clemenskirche an der Clemensstraße. Im Jahr 1857 wurde die medizinische Versorgung der Bevölkerung um das St. Franziskus-Hospital erweitert.

Damals gab es circa 2.700 evangelische Bürger in der Stadt. Schließlich wurde 1863 das evangelische Krankenhaus eröffnet. Die Versorgung der Patienten wurde dem Diakonissenverein anvertraut, der kurz zuvor 1860 gegründet wurde.

Nach der erheblichen Erweiterung 1880 u.a. durch Spenden des Kaisers Wilhelm I. und des Johanniterordens wurde das Krankenhaus „Johannisstift“ genannt. Es lag in der Johanniterstraße, Ecke Friedrichstraße.

Der Wachstum der Bevölkerung war enorm. Bereits 1890 stieg die Einwohnerzahl auf 49.000. Gleichzeitig führte Bismarck die gesetzliche Krankenversicherung ein. Die Kosten betrugen damals 1 Mark  Pflegekosten pro Pflegetag und 4 Mark für die Medizin.

Der stetige erweiternde Umbau des Johannisstifts für immer mehr Patienten stieß bald an seine Grenzen. Auch war die Lage nahe der Eisenbahnlinie eher ungünstig. Daher wuchs seitens der evangelischen Gemeinde der Entschluss, ein neues Krankenhaus zu bauen.

Auch die Bevölkerung wuchs weiter: Bis zur Jahrhundertwende waren es knapp 64.000 Einwohner, davon knapp 11.000 evangelischer Konfession.

Im Jahr 1902 erwarb der Kaufmann Rudolf Winkmann ein Grundstück im Kreuzviertel an der Ecke Nordstraße und Coerdestraße in unmittelbarer Nähe zum Nordplatz zum Preis von gut 77.000 Mark.

Wie im Kreuzviertel üblich, wurde für die Umwandlung zum Bauland eine Straße (nördlich des erschlossenen Grundstücks) gebaut und auf Wunsch der ev. Gemeinde Wichernstraße genannt (s. Straßennamen) nach Johann Wichern.

Wegen Bedenken, ob die Größe des Grundstücks ausreichen würde, wurde 1902 vom Schneidermeister Welken ein benachbartes Grundstück für weitere 25.000 Mark dazu gekauft. Nun standen etwa 8.300 qm zur Verfügung.

Nach verschiedenen Schwierigkeiten mit der Finazierung wurde im Jahr 1906 endgültig der Bau des Krankenhauses beschlossen. Der Architekt und Leiter des Bauamtes in Bethel Karl Siebold wurde mit der Planung betraut. Die Bauaufsicht und Bauausführung übernahm das Bauamt der Diakonissenanstalt Bethel. Vorgesehen wurde ein Kapazität mit 80 Betten und der Möglichkeit eines späteren Erweiterung.

Die Grundsteinlegung war Mitte 1907 in Anwesenheit der Prinzessin Viktoria von Schaumburg Lippe, Frau des Prinzen Adolf von Schaumburg Lippe und Schwester des Kaisers Wilhelm II., da Kaiserin Auguste Viktoria verletzungsbedingt absagen musste. 1908 erfolgt die Baugenehmigung und der erste Spatenstich. Bereits im Herbst 1908 stand der Rohbau, der Innenausbau war ein Jahr später fertig, so dass Ende 1909 das Krankenhaus Johannisstift nach 46 Jahren in das neue Evangelische Krankenhaus in der Wichernstraße umziehen konnte.

Interessant an dem Gebäude war, dass alle Krankenzimmer nach Süden lagen. Die Versorgungsräume wie Verwaltung, Operationssaal, Narkoseraum, Räume für Instrumente oder Röntgen usw. lagen hingegen nach Norden zur Straße. Auch gab es, wie sonst üblich, keine großen Krankensäle. Außerdem wurde aus Schutz vor Infektionen auf gute Durchlüftbarkeit geachtet. Dazu gab es Veranden und einen großen Bereich auf dem Dach des Isolierhauses zur Freiluftbehandlung. Die Türen hatten keine Schwellen, um auch Betten nach draußen bringen zu können. Selbst eine Aufzug für Bettentransport war vorhanden.

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